Bunt wie Ostereier

Stefan Knittel (MotoPur Mitglied) hat für uns diese Buchpräsentation geschrieben. Danke Stefan.

Über Ford T-Modell, Volkswagen „Käfer“ oder Honda CB 750 wurden schon viele Bücher geschrieben, doch über das mit Abstand am meisten gebaute Kraftfahrzeug bislang noch nicht. Rechtzeitig zu Ostern hat mir mein Kollege Gerfried Vogt-Möbs sein Buch „Little Honda“ geschickt. Gerry beschäftigte sich seit Jahrzehnten mit Honda Super Cub und Abkömmlingen bis er endlich ausreichend vielfältiges Material zu einem Buch zusammenfasste. Auf 184 Seiten mit 293 Abbildungen verschafft er uns Motorradfreunden Zugang zu einer anderen Welt, einerseits jener der Massenmotorisierung per Honda Super Cub in ganz Asien, andererseits jener der „Fun-Bikes“ Honda Monkey und Dax. Insgesamt sind bisher bei Honda, Lizenznehmern und Kopisten mehr als 100 Millionen Zweiräder mit dem liegenden Viertakt-Einzylindermotor entstanden.

Der Plan „Special M“ überließ nichts dem Zufall, als Firmengründer Soichiro Honda, Chefkonstrukteur Kiyoshi Kawashima und Takeo Fujisawa 1956 begannen sich mit einem völlig neuen Zweirad zu beschäftigen. Mit dem Konzept einer weitgehend automatisierten Fertigung in völlig neuen Produktionsanlagen konnte die japanische Regierung zu großzügigen Darlehen bewegt werden. Es war von 30 000 Motorrädern die Rede – nicht pro Jahr, sondern im Monat. Das Konzept des schnell herstellbaren Stahlpress-Rahmens wurde bei NSU abgeschaut, doch statt des 50 ccm-Zweitakters des NSU Quickly sollte es bei Honda ein 50er-Viertakter werden. Statt eines blechernen Beinschilds kam eine Teilverkleidung aus weichem aber schlagzähem Kunststoff an die Honda Super Cub. „Cheap Urban Bike“ – also schlicht ein billiger Stadtflitzer – kam 1958 zunächst nur in Japan auf den Markt, war aber dort so gefragt, dass Honda sofort NSU als weltgrößter Motorradhersteller ablösen konnte.

Den Durchbruch schafften die Japaner 1962 in den USA indem sie ganz einfach in einer gigantischen Werbe- und Marketing-Kampagen nicht von Motorrädern sprachen. „Little Honda“ wurde als neues Haushaltsgerät präsentiert und war in Werkzeugläden oder Tankstellen für erstaunlich wenig Geld zu bekommen.

Neben Millionen „Raubkopien“, wie sie in China und Indien von den Bändern laufen, wird die Original-Honda Cub noch in verschiedenen Honda-Werken in Indonesien und Thailand gebaut. Und aus Thailand kam eine modernisierte „Retro“-Cub 125 sogar kürzlich ins Programm von Honda Deutschland.

Ich selbst hatte übrigens auch das Vergnügen. Gerry hat mir vor vielen Jahren eine Honda Super Cub 90 aus dem Jahr 1967 überlassen, deren hinterer Kotflügel anfing durchzurosten. Das war jedoch die einzige Korrosionsstelle, alle Schrauben gingen problemlos auf. Und ein neuer Schwimmer im Vergaser brachte perfekten Motorlauf. Mein Bruder fuhr  danach noch einige Jahre im Alltagsbetrieb mit 7,5 PS und der Dreigangschaltung ohne Kupplung neben seiner CB 50 und der Dax.

Gerfried Vogt-Möbs: „Little Honda“

Delius Klasing Verlag, Bielefeld

Preis in Deutschland 29,90 Euro

ISBN 978-3-667-11678-9

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.