Bericht: Thomas K. Fotos/Videos: Fabio B. & Thomas K.
Bernina Gran Turismo 2026 – Benzin, Berge und historische Rennmaschinen
Vom 11. bis 13. September zog es uns mit rund 20 historischen Rennmotorrädern wieder an den Bernina. Bei bestem Spätsommerwetter durften wir drei Tage lang genau das erleben, was den Bernina Gran Turismo für uns so besonders macht: historische Rennmaschinen, eine spektakuläre Bergstrecke, viel Benzin in der Luft und noch mehr Benzingespräche. Der Anlass lebt die ursprüngliche Bergrenntradition von 1929 weiter. Damals fuhren Rennfahrerlegenden von La Rösa hinauf zum Berninapass. Heute wird diese Tradition mit historischen Rennfahrzeugen und Motorrädern wieder zum Leben erweckt.


Ankommen und Benzingespräche
Am Freitag gegen 15 Uhr erreichten wir den Berninapass. Im Bernina Hospiz stellten wir unsere Rennmaschinen in der Tiefgarage ab und bezogen unsere Zimmer im etwas weiter unten gelegenen Bernina Haus. Beim anschliessenden gemeinsamen Nachtessen war die Rennsaison 2026 natürlich das grosse Thema. Was als gemütliches Abendessen begann, entwickelte sich schon bald zu dem, was bei einem solchen Anlass einfach dazugehört: ausgiebige Benzingespräche. Technische Details wurden analysiert, Erfahrungen ausgetauscht und natürlich wurde auch die Frage diskutiert, welche Linie am Bernina GT nun wirklich die beste ist. Schliesslich will jeder wissen, wo noch ein paar Zehntelsekunden zu holen sind. Die Gespräche zogen sich bis in die späten Abendstunden. Irgendwann siegte dann aber doch die Vernunft und einer nach dem anderen fand den Weg ins Bett.
Samstag – endlich wieder Rennbetrieb
Am Samstagmorgen wartete bereits die erste logistische Herausforderung. Auf dem Hospitz war in diesem Jahr ein Village mit Festzelt aufgebaut, weshalb unsere üblichen Parkmöglichkeiten fehlten.
Fabio löste das Problem auf seine Art und chauffierte uns mit seinem ehemaligen Pöstler-Auto auf die Passhöhe. Eine Horde Rennfahrer im Lederkombi, dicht zusammengedrängt in einem Kleinbus, erinnerte allerdings eher an einen Viehtransport als an einen Rennfahrer-Shuttle. Zum Glück blieb uns auch eine Polizeikontrolle erspart. Oben waren die Autos bereits zum ersten Mal unterwegs. Wir machten uns für unseren ersten Einsatz bereit und stellten unsere frisch geputzten Rennmaschinen beim Hospiz in die aufgehende Sonne. Das neue Village gefiel uns auf Anhieb. Festzelt, Foodtrucks und mittendrin der pinke Kaffeeanhänger, an dem es einen hervorragenden Espresso gab. Für Rennfahrer ist schliesslich auch die richtige Verpflegung ein wichtiger Teil der Vorbereitung.
Gegen 10 Uhr ging es gemeinsam mit den Autos hinunter zur Startaufstellung nach La Rösa. Unsere Motorräder parkierten wir bei der alten Post. Dort wurden wir mit Kaffee und Verpflegung versorgt und konnten uns für den bevorstehenden Lauf aufwärmen. Denn trotz der Sonne war es am Morgen noch ziemlich frisch.
Ein Audi sorgt für eine Rennpause
Die Autos vor uns hatten einen Unfall. Ausgerechnet der originale Audi Rallye Quattro von Walter Röhrl war betroffen. Damit war der erste Lauf für uns Geschichte.
Nachdem die Strecke wieder freigegeben worden war, konnten wir gemeinsam mit den noch wartenden Autos zum ersten Mal die Strecke hinauf unter die Räder nehmen.
Zur Mittagszeit trafen wir uns wieder im Village. Die Foodtrucks sorgten für genügend Nachschub und sogar Gesichtsmassagen wurden angeboten. Die lederhäutigen Motorradfahrer unserer Gruppe verzichteten allerdings geschlossen auf dieses Wellnessangebot.
Dann wurde es ernst.
Der zweite Lauf konnte planmässig durchgeführt werden. Die Strecke war griffig, die Sonne schien und die Bedingungen hätten kaum besser sein können. Nach all dem Warten konnten wir endlich wieder richtig Gas geben. Der erste echte Rennlauf des Samstags wurde entsprechend in vollen Zügen genossen.
Nach dem zweiten Lauf blieb nur wenig Zeit. Motorräder kontrollieren, tanken, nochmals alles überprüfen – und schon ging es wieder hinunter nach La Rösa zum dritten Lauf.
Wir wussten, dass im Bündnerland Hochjagd war. Auf der Fahrt talwärts hörte es sich tatsächlich so an, als würde irgendwo eine ganze Heerschar von Jägern gleichzeitig mit ihren Büchsen in die Gegend schiessen.
Die Erklärung war dann allerdings wesentlich harmloser: Eine Aermacchi sorgte mit heftigen Fehlzündungen für die entsprechende Geräuschkulisse. Der Versuch, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen, blieb leider erfolglos. Schliesslich musste die Armacchi auf dem Abschleppwagen die Kurven unter die Räder nehmen. Der dritte Lauf der übrigen Motorräder verlief dafür umso besser. Die Bedingungen waren gigantisch. Sonne, griffiger Asphalt und historische Rennmaschinen, die zeigen konnten, was noch in ihnen steckt. Oben angekommen, sah man entsprechend viele breite Grinsen unter den Helmen.

Nach dem Rennbetrieb genossen wir am Samstagabend noch ein Bier auf der Passhöhe. Danach wurden die Motorräder wieder sicher in der Tiefgarage verstaut und wir machten uns im Lederkombi mit Fabios Bus auf den Rückweg zum Bernina Haus. Dort wartete bereits ein von den Frauen vorbereiteter Apéro auf uns. Während wir zusammenstanden, schienen die letzten Sonnenstrahlen über die umliegenden Gipfel. Kaum war die Sonne verschwunden, zeigte der Bernina allerdings wieder seine andere Seite. Die Temperatur fiel rasch und machte deutlich, dass wir uns immerhin auf über 2300 Metern befanden. Also hiess es: Lederkombi aus, aufwärmen und danach wieder gemeinsam zum Nachtessen. Die Gespräche waren an diesem Abend zwar etwas kürzer als am Freitag, aber keineswegs weniger angeregt. Schliesslich gab es genügend Gesprächsstoff vom vergangenen Renntag.
Sonntag – fünf Grad und alte Knochen
Am Sonntag war früh Tagwache. Einige von uns mussten bereits um 6 Uhr aus den Federn. Statt eines gemütlichen Frühstücks warteten Lunchpakete. Das Bernina Haus hatte das Frühstück extra früher angesetzt, damit wir rechtzeitig loskamen. Um 8.30 Uhr ging es bei gerade einmal fünf Grad hinunter nach La Rösa. Die ersten Kurven gingen wir entsprechend vorsichtig an. Schliesslich mussten nicht nur unsere alten Motorräder, sondern auch unsere eigenen Knochen zuerst auf Betriebstemperatur kommen. Der erste Lauf am Sonntag war deshalb vor allem eines: ein vorsichtiges Herantasten und Warmwerden. Im zweiten und zugleich letzten Lauf änderte sich das Bild. Die Temperaturen waren inzwischen angenehmer, die Strecke war in hervorragendem Zustand und der Renninstinkt war wieder voll da. Kurve für Kurve ging es hinauf Richtung Hospiz. Unsere alten Rennmaschinen zeigten eindrücklich, dass sie trotz ihres Alters noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Bei herrlichem Sommerwetter, griffigem Asphalt und perfekten Bedingungen konnten wir den letzten Lauf nochmals richtig geniessen. Besser hätte der Abschluss kaum sein können.
Nach dem Zieleinlauf kehrten wir nochmals zum Hospiz zurück und präsentierten unsere Motorräder dem grossen Publikum.
Historische Technik begeistert
Entlang der Strecke und auf der Passhöhe standen zahlreiche Zuschauer. Viele waren gekommen, um die historischen Rennfahrzeuge und Motorräder aus nächster Nähe zu erleben.
Genau darin liegt für uns der besondere Reiz des Bernina GT. Es geht nicht nur darum, möglichst schnell den Berg hinaufzufahren. Es geht darum, historische Motorräder tatsächlich zu bewegen. Die Maschinen gehören auf die Strasse und auf die Rennstrecke – nicht nur ins Museum. Und es macht Freude, diese alte Technik einem Publikum zu zeigen, das sich genauso dafür begeistern kann wie wir.
Eine interessante Ergänzung war in diesem Jahr auch die E-Fuels-Tankstelle eines ETH-Start-ups. Während des gesamten Anlasses konnten wir dort unsere Motorräder kostenlos mit E-Fuels betanken.
Für uns war das eine spannende Erfahrung. Gerade im historischen Rennsport stellt sich irgendwann die Frage, wie solche Maschinen auch in Zukunft betrieben werden können. Schön zu sehen, dass sich junge Unternehmen und die Forschung Gedanken darüber machen, wie sich historische Technik und neue Treibstoffkonzepte vielleicht miteinander verbinden lassen.

Ein grosses Dankeschön
Drei Tage Bernina Gran Turismo gehen damit viel zu schnell vorbei. Was bleibt, sind viele Rennkilometer, technische Diskussionen, spannende Begegnungen, das eine oder andere Bier – und vor allem viele gute Erinnerungen.
Ein ganz herzliches Dankeschön geht an Fabio, Otto und das gesamte Organisationsteam. Mit viel Engagement und Herzblut sorgen sie dafür, dass die historische Bergrenntradition am Bernina weiterlebt.
Der Bernina GT 2026 war für uns ein perfekter und unvergesslicher Anlass.
Und eines ist jetzt schon klar:
Wir kommen wieder. Thomas K. (Danke für deinen Bericht / Pepo)
